Finanzielle Freiheit mit 40: Macht Frugalismus es möglich?

Frugalist

Frugalismus gewinnt zunehmend an Beliebtheit. Im Zentrum dieses Lebensstils steht Sparsamkeit und ein eingeschränktes Konsumverhalten. Der Name “Frugalismus” stammt vom lateinischen Wort “frugalis” ab. Es bedeutet bescheiden und sparsam. Hinter diesem Lebensstil steht ein klares finanzielles Konzept, welches auf einer hohen Sparrate und eingeschränktem Konsum beruht. Je nach persönlichem Gehalt und individueller Sparquote ist es durchaus denkbar, bereits mit 40 Jahren “finanziell frei” zu leben und nicht mehr arbeiten zu müssen. Um das Konzept “Frugalismus” zu verstehen, ist ein genauer Blick erforderlich.

Die Ursprünge des Frugalismus

In den frühen 90er Jahren entwickelte sich in den USA eine Bewegung, die sich gegen das dort vorherrschende Konsumverhalten richtete. Die Gegenbewegung nannte sich FIRE. Das steht für “Financial Independence, Retire Early”. Auf Deutsch bedeutet dies so viel, wie “finanzielle Unabhängigkeit, frühzeitiger Ruhestand”. Statt bis 65 Jahren arbeiten zu müssen, um seinen Konsum zu finanzieren und die angefallenen Schulden zu tilgen, lebten FIRE-Anhänger genügsam und schränkten den Konsum auf das Nötigste ein.

Frugalismus erklärt

Um Frugalismus zu verstehen, ist es notwendig, eine Unterscheidung zum Minimalismus zu treffen. Minimalisten verzichten auf Eigentum, soweit es möglich ist. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Minimalisten wollen seelische und finanzielle Unabhängigkeit erreichen, indem sie unabhängig von materiellen Gütern leben. Für einige Minimalisten ist der Lebensstil ein Statussymbol. Für andere ein Weg, um Ressourcen zu sparen und etwas Gutes für die Umwelt zu leisten. Die Beweggründe sind vielfältig. Im Vordergrund steht jedoch nicht die frühe Rente oder finanzielle Unabhängigkeit.

Beim Frugalismus steht nicht der Verzicht im Vordergrund, sondern ein bewusster Umgang mit Geld und Konsum. Auch der Vermögensaufbau spielt eine zentrale Rolle. Dieser dient dem “Early Retire” – dem vorzeitigen Ruhestand. Frugalisten konsumieren mit Bedacht, sparen und investieren ihr Geld in sichere Anlagen. Bei diesem Lebensstil entscheidet man sich für eine Sparquote, mit der man seine finanzielle Freiheit in jungem Alter erreicht. Die Sparquote schwankt zwischen 30 Prozent und 90 Prozent vom Nettoeinkommen. Auch das gewünschte Alter, indem man seine finanzielle Freiheit erreicht, schwankt je nach individueller Ausgangslage. Was man unter “finanzielle Freiheit” versteht, wird individuell festgelegt.

Konsum überdenken, Kosten senken

Frugalismus setzt einen bewussten Umgang mit Konsum voraus. Frugalisten hinterfragen alltägliche Ausgaben, wie den berühmten Kaffee für unterwegs oder belegte Brötchen auf der Arbeit, sondern auch Lebenshaltungskosten. Ist eine große Wohnung oder ein Auto für ein glückliches Leben tatsächlich notwendig? Während die Sparquote von Otto-Normalverbrauchern in Deutschland bei rund 10 Prozent vom Jahresnettoeinkommen liegt, sparen Frugalisten 30 Prozent bis 80 Prozent ihres Nettoeinkommens.

In einzelnen Monaten berichten erfahrene Frugalisten von einer Sparquote bis zu 90 Prozent. Wie ist das möglich? Welche Sparquote man erreichen kann, hängt von den individuellen Lebensumständen und vor allem dem eigenen Gehalt ab. Ein Mensch, der 5.000 Euro netto zur Verfügung hat, kann mehr zurücklegen, als jener, der am Existenzminimum lebt. Entscheidend sind auch die Lebenshaltungskosten. Mit steigendem Gehalt steigen auch die Ansprüche an die Lebensführung und die damit verbundenen Ausgaben. Man leistet sich ein größeres Heim, ein teureres Auto und gönnt sich einen teureren Urlaub. Dieser Kreislauf hat eine geringe Sparquote und in vielen Fällen eine Überschuldung zur Folge. Genau hier setzt bewusstes Konsumieren an. Frugalisten freuen sich über eine Gehaltserhöhung, sparen die zusätzlichen Finanzen jedoch ein.

Einsparpotenzial erkennen

Kleine Veränderungen der Gewohnheiten und die Durchsicht der Ausgaben schaffen Klarheit. Zahlt man 20 Euro monatlich für ein Fitnessstudio, welches man lange nicht von innen gesehen hat? Frugalisten haben ihre Finanzen im Blick. In einem solchen Szenario wird die Mitgliedschaft für das Studio gekündigt. Pro Jahr spart man dadurch 240 Euro.

Bei einer Fünf-Tage-Woche arbeitet ein Mensch in Deutschland 230 Arbeitstage. Kauft man sich jeden Tag unterwegs ein belegtes Brötchen und einen Kaffee, so ergibt sich im Jahr eine beachtliche Summe. Geht man von einem niedrigen Preis von 5 Euro für Kaffee und Brötchen aus, so ergibt sich auf ein Jahr gerechnet eine Summe von 1.150 Euro nur für Kaffee und Brötchen. Dieses Gedankenexperiment lässt sich auf viele Bereiche ausweiten. Wie viel Geld investiert man in Schuhe, Benzin, Restaurants und Freizeit? Die genaue Summe können viele Menschen gar nicht benennen. Man konsumiert unbewusst und verliert die Kontrolle über seine Ausgaben.

Frugalisten leben in unterschiedlichen Lebenskonstellationen. Eine frugale Familie mit drei Kindern hat mehr Ausgaben als eine alleinstehende Frugalistin. In einer Großstadt zahlt man für die Miete ein Vielfaches als auf dem Land. Was alle Frugalisten eint, ist, dass sie sich eine realistische Sparquote setzen und in die Zukunft investieren. Man ist bemüht, zu reparieren, statt wegzuwerfen, Rabatte und Sonderaktionen zu nutzen, Einsparpotentiale zu erkennen und einen bewussten Umgang mit seinem Geld im Alltag zu finden.

Geldanlagen nutzen und passive Einkommensquellen aufbauen

Frugalisten sparen ihr Geld nicht nur, sie legen es gewinnbringend an. Dabei verzichten die Anhänger des frugalen Lebensstils auf risikoreiche Anleihen. Bevorzugt werden Aktien-ETFs für das langfristige Anlegen des gesparten Geldes genutzt. ETFs sind kosteneffizient, risikoarm und transparent. Auf dem Markt sind breit gestreute ETFs erhältlich, die seit Jahrzehnten eine niedrige, aber vergleichsweise sichere Rendite bieten. Einige Frugalisten sind Mitglieder der Wikifolio Community. Wikifolios sind Zertifikate, die Handelsideen in Musterportfolios beinhalten. Man erhält einen detaillierten Überblick über die enthaltenen Wertpapiere und die Performance. Langfristige Geldanlagen entwickeln sich mit einer geeigneten Sparquote zu einem passiven Einkommen, welches den Frugalisten lebenslang zugutekommt.

Ein Gedankenexperiment – Frugalismus mit kleinem Gehalt

Mara lebt frugal. Sie ist 20 Jahre alt, verdient 1.500 Euro netto und möchte ihre finanzielle Freiheit mit 40 Jahren erreichen. Sie spart 50 Prozent ihrer Nettoeinnahmen. Jeden Monat investiert sie 750 Euro in einen ETF-Sparplan. In 20 Jahren zahlt sie insgesamt 180.000 Euro in ihren ETF-Sparplan ein. Abzüglich der anfallenden Kosten des Sparplans und der ETF-Ebene bei einer Marktrendite von 4,5 Prozent pro Jahr erhält sie ein Endvermögen von 282.872,18 Euro mit 40 Jahren. Würde Mara dann aufhören zu arbeiten und von ihrem Vermögen leben, so könnten sie ihre Lebenshaltungskosten von den Renditen ihres Portfolios decken. Entnimmt sie jährlich 4,5 Prozent, das sind bei 282.872,18 Euro rund 12.729 Euro im Jahr, dann hätte sie bei diesem Gedankenexperiment monatlich 1.060 Euro zum Leben zur Verfügung.

Nicht nur der Aktienmarkt ist volatil, auch das Leben verändert sich und birgt Unberechenbarkeit, die man vorab nicht bestimmen kann. Frugalismus funktioniert durchaus – nur nicht immer gradlinig und wie geplant.