Anwalt im Strafrecht – die Aufgaben und Bereiche im Überblick

Anwalt_Strafrecht

Das Strafrecht schützt das Vermögen, die Gesundheit und das Leben. Verantwortlich für die Durchsetzung sind die Polizei, Staatsanwälte und Richter. Beim Strafrecht handelt es sich um ein schwieriges und komplexes Rechtsgebiet. Unterschieden wird zwischen materiellem Strafrecht und formellem Strafrecht. Im Teilgebiet materielles Strafrecht müssen sich die Rechtsexperten in der Anwaltskanzlei für Strafrecht auf strafrechtliche Verhaltensweisen seines Mandanten konzentrieren. Das Teilgebiet formelles Strafrecht beschäftigt sich mit dem praktischen Strafrecht laut Strafprozessordnung. Relevante Aspekte beim formellen Strafrecht sind die Durchführung des Strafverfahrens und Möglichkeiten, die sich dem Anwalt bieten. Beim materiellen Strafrecht sind strafrechtlichen Verhaltensweisen der Schwerpunkt. Die Aufgabe des Fachanwalts ist es, Maßnahmen gegen seinen Klienten abzuwehren, die negative Auswirkungen für ihn haben können. Generell steht ein Anwalt für Strafrecht immer zwischen dem Täter und dem Opfer. Er kann entweder den Angeklagten oder das Opfer als Nebenkläger in einem Strafprozess vertreten.

Aufgaben eines Anwalts im Strafrecht

Ein Anwalt, der sich auf das Gebiet Strafrecht spezialisiert hat, verfügt über langjährige Erfahrungen und umfangreiche Rechtskenntnisse in diesem Rechtsgebiet. Als Pflichtverteidiger vertritt der Anwalt für Strafrecht den Angeklagten vor Gericht. Der Anwalt bietet Unterstützung in allen Bereichen des Strafrechts und berät seinen Mandanten umfassend. Er leistet zudem Rechtsbeistand bei der Durchsuchung des Autos, der Geschäftsräume und/oder der Wohnung seines Mandanten und bei Verhaftung. Ein Anwalt für Strafrecht ist zudem zur Akteneinsicht berechtigt. Anschließend entwickelt und bespricht er mit seinem Mandanten eine Verteidigungsstrategie. In vielen Fällen erreicht er, dass das Ermittlungsverfahren oder das Hauptverfahren eingestellt wird. Diverse Lösungen bietet die Verfahrenseinstellung gegen eine Geldauflage. Ist wegen einer besonderen Schwere der Straftat keine Einstellung des Verfahrens erreichbar, nimmt der Anwalt auf das Strafmaß Einfluss. Im Prozess vor Gericht hat er als Strafverteidiger die wichtige Aufgabe, die Aufklärung des Sachverhaltes zu Gunsten seines Mandanten zu beeinflussen. Dies erreicht er, indem er auf mildernde oder entlastende Umstände hinweist. Durch die Darlegung günstiger Strafzumessungserwägungen für seinen Mandanten beeinflusst der Strafverteidiger das Urteil des Richters. Dabei profitiert er von dem Vorteil, dass er zur Vorbereitung auf das Strafverfahren meistens mehr Zeit investieren kann als der Richter. Für den Ausgang eines Strafverfahrens ist es häufig nötig, dass sich der Verteidiger die gesamte Geschichte von seinem Mandanten ausführlich schildern lässt. Nur dann ist es ihm möglich, Tatsachen, die den Angeklagten entlasten, während des Gerichtsprozesses vorzubringen. Seine Tätigkeitsbereiche sind:

  • Allgemeines Strafrecht
  • Vorladung
  • Kapitalstrafrecht
  • Untersuchungshaft
  • Jugendstrafrecht
  • Betäubungsmittel

Weitere Aufgaben von einem Anwalt im Strafrecht

Ein auf Strafrecht spezialisierter Anwalt kann auch bei Bußgeldbescheiden beispielsweise im Verkehrsrecht Ordnungswidrigkeiten, beispielsweise im Verkehrsrecht mit der Vertretung beauftragt werden. Der Anwalt im Strafrecht ist zudem für Unternehmen im Wirtschafts- und Steuerstrafrecht tätig. Er verfügt über Kompetenzen und Erfahrung in den Bereichen:

  • Allgemeines Strafrecht
  • Vorladung
  • Kapitalstrafrecht
  • Untersuchungshaft
  • Jugendstrafrecht
  • Sexualstrafrecht
  • Betäubungsmittel
  • Waffengesetz
  • Strafvollzugsrecht
  • Strafvollstreckungsrecht
  • Wettbewerbs- und Kartellrecht
  • Insolvenzrecht
  • IT-Forensik & interne Untersuchungen
  • Außenhandels- und Zollrecht
  • Beratung bei Selbstanzeigen
  • Steuerrecht
  • Verteidigung bei Vorwurf von Korruption
  • Internationales Strafrecht
  • Individualverteidigung
  • Strafverfahren gegen Kliniken und Ärzte
  • Kapitalmarkt- und Bankrecht
  • Vertretung vor allen Instanzen

Aufgaben während eines laufenden Ermittlungsverfahrens

Bei einer Verhaftung sollte ein Anwalt unbedingt hinzugezogen werden, damit sich der Beschuldigte während des Verhörs nicht selbst belastet. Eventuell wird der Anwalt seinem Mandanten raten, die Aussage zu verweigern. In einem laufenden Ermittlungsverfahren beantragt er Akteneinsicht. Auf Basis der Informationen bereitet er das Plädoyer vor Gericht vor. In sein Plädoyer bezieht er alle seinen Mandanten entlastende Folgerungen, Beweise und Sachverhalte ein. Nicht jede Tätigkeit kann der Anwalt selbst erledigen. Er beauftragt deshalb eventuell Privatdetektive und Anwaltsgehilfen mit bestimmten Aufgaben. Ob der Anwalt einen Privatdetektiv beauftragt, ist von der finanziellen Situation seines Mandanten abhängig.

Verteidigung im Sexualstrafrecht

Der Tätigkeit von einem Anwalt im Strafrecht umfasst auch Sexualstrafrecht und Opfervertretung. Im Bereich Sexualstrafrecht lässt er häufig Gutachten erstellen, zum Beispiel Prognosegutachten. In einem Sexualstrafverfahren bestimmt fast immer die Aussage des Opfers den Ausgang des Gerichtsverfahrens. Allein eine Beschuldigung ist ausreichend, um die Existenz des Beschuldigten zu zerstören. Die Verteidigung von Angeklagten in Sexualstrafprozessen ist deshalb eine der schwierigsten Aufgaben von einem Anwalt im Strafrecht. Oft existieren keine Beweise und die Aussage des Opfers steht gegen die Aussage des Angeklagten. Meistens glauben Staatsanwälte und Richter der Aussage des mutmaßlichen Opfers nahezu blind. Der Verteidiger des Angeklagten muss Richter und Staatsanwalt deshalb während des Verfahrens daran erinnern, das die Möglichkeit einer Falschbeschuldigung besteht. Spezifisch, wenn im Verfahren Aussage gegen Aussage steht, kann der Verteidiger viel für seinen Mandanten erreichen.

Der Verteidiger untersucht deshalb die Aussage des Opfers unter aussagepsychologischen Aspekten zum einem frühen Zeitpunkt. Ziel dieser Untersuchung ist es, die Unschuld seines Mandanten zu beweisen und eine Anklage zu vermeiden. Weil der Staat bei Sexualstraftaten seine Machtinstrumente voll einsetzt, muss bei Vorwurf eines Sexualdeliktes sofort ein auf Strafrecht spezialisierter Anwalt kontaktiert werden.

Opfervertretung durch einen Anwalt im Strafrecht

Ein eröffnetes Strafverfahren ermöglicht es dem Opfer, im Gerichtsverfahren aktiv als Nebenkläger aufzutreten oder sich diesbezüglich von einem Anwalt vertreten zu lassen. Nebenkläger in einem Strafprozess besitzen hierzulande fast die gleichen Rechte wie der Staatsanwalt. Als Vertreter des Opfers kann der Anwalt zum Beispiel die Erstellung von Sachverständigen-Gutachten beantragen und Beweis- und/oder Befangenheitsanträge stellen. Der Opfervertreter besitzt zudem das gleiche Fragerecht wie sonstige Beteiligte am Verfahren. Meistens sagt das Opfer als Zeuge aus. Zusätzlich besitzt es ein vollumfängliches Anwesenheitsrecht. Bezüglich der Schuldfrage kann das Opfer oder der mit der Vertretung beauftragte Anwalt gegen das Urteil Berufung oder Revision einlegen.

Damit die Nebenklage zugelassen wird, muss das Opfer einen Antrag stellen. Nicht in jedem Strafverfahren ist es dem Opfer gestattet, als Nebenkläger aufzutreten. Opfern von Straftaten ist es deshalb zu empfehlen, rechtzeitig einen auf Strafrecht spezialisierten Anwalt zu beauftragen, zu prüfen, ob ein Antrag auf eine Nebenklage gestellt werden darf. Der Anwalt darf zudem bereits während der laufenden Ermittlungen Akteneinsicht beantragen und als Zeugenbeistand aktiv tätig werden. Ist das Opfer durch die Straftat zu Tode gekommen, geht das Recht zur Nebenklage automatisch auf die Hinterbliebenen über. Ein Anwalt im Strafrecht berät Opfer oder Hinterbliebene gern umfassend, ob eine Nebenklage im konkreten Fall möglich ist. Im Falle, dass der Angeklagte schuldig gesprochen wird, muss er die Kosten für die Nebenklage tragen. In bestimmten Fällen werden die Kosten von der Rechtsschutzversicherung oder vom Staat übernommen. Unabhängig von einer Nebenklage vertritt der Anwalt im Adhäsionsverfahren das Opfer bei der Durchsetzung von Schmerzensgeld- und Schadensersatzansprüchen.