Was versteht man im Finanzsektor unter M&A?

Geldanlage

M&A ist die Abkürzung für “Mergers” und “Acquisitions”. Mergers bedeutet im Allgemeinen die Fusionierung oder auch die Zusammenlegung und wird im Finanzsektor als Unternehmensfusion(en) bezeichnet. Acquisitions wird im deutschsprachigen Sprachraum schnell mit der Akquisition in Verbindung gesetzt, was Maßnahmen zur Kundengewinnung beschreibt. In diesem Zusammenhang handelt es sich allerdings um Unternehmens(ver)käufe. M&A beschreibt somit verschiedene Transaktionen im Unternehmensbereich. Beim Zusammenlegen werden mindestens zwei Unternehmen zu Lasten eines oder mehrere Unternehmen in eine neue rechtliche und wirtschaftliche Form überführt. Der Verlust der rechtlichen Selbstständigkeit ist im Bereich der Acquisitions kein Muss. Ziel des Mergers & Acquisitions Gesamtprozesses ist unter anderem die Steigerung oder auch positive Entwicklung der Umsatzrentabilität, die sich an der Marktbeherrschung orientiert. Es ist damit kein Finanzprodukt im herkömmlichen Sinne, in das investiert werden kann, sondern als Dienstleistung zu bezeichnen. Der oder die M&A Berater begleitet bzw. begleiten, planen, erarbeiten die verschiedenen Phasen des Gesamtprojektes. Umsatzorientierter Erfolg und Misserfolg hängen aufgrund der Komplexität direkt von der Professionalität und fachlichen Expertise der M&A Beratung ab. Sind diese Fähigkeiten nicht vorhanden oder in den einzelnen Prozessen ausgeübt worden, scheitern über 50 % aller Vorhaben.

Wann wird M&A Beratung benötigt?

Firmen habe die eigene Absicherung und ihr Wachstum im Fokus. Wichtige Faktoren sind dabei die Steigerung des Umsatzes, der Marktanteil und die Betriebsgröße. Treten Schwierigkeiten in der Realisierung dieser Ziele auf oder liegen Expansionsvorstellungen vor, dann funktioniert die M&A Beratung als Werkzeug. Insbesondere bei Generationenwechsel in der Unternehmensführung und strukturell notwendiger Anpassungen aufgrund veränderter Markt- und Wirtschaftslagen ist die M&A Beraterin bzw. der M&A Berater gefragt. Im Hinblick auf die einzelnen Phasen des Gesamtprojektes treten meist Unternehmen oder Banken als Dienstleister auf, die über verschiedene Spezialisten in eigenen Datenbanken für die Realisierungsabschnitte verfügen.

Die Aufgaben der M&A Beraterinnen und M&A Berater

Der Prozess der M&A Beratung ist in grundlegende Phasen einteilbar. Auch wenn Anzahl und Umfang verschiedener Anbieter variieren, sind die Kernaufgaben immer identisch. Zu Beginn des Mergers & Acquisitions Prozesses steht das Grundmotiv. Optimierung von Verkaufspreisen bei der Zerschlagung von Firmenkonglomeraten oder die Abwicklung eines Familienunternehmens in Bezug auf die privaten Aspekte müssen von der M&A Beratung verstanden und beachtet werden. Im Rahmen von Projektarbeit erfolgt in einem Verkaufsgespräch, einem Pitch, die Klärung der Absichten des Hilfesuchende und die Präsentation der Fähigkeiten des Anbieters der M&A Beratung. Zielvorstellungen beider Parteien müssen ausgetauscht und auf Realisierbarkeit geprüft werden. Der M&A Anbieter geht hier folglich in Vorleistung durch die Erstellung einer ersten Analyse. Eine Zusammenarbeit muss dabei nicht nur auf professioneller sondern auch auf sozialemotionaler Ebene beschlossen werden.

Ohne entsprechende Dokumente zu dem Unternehmen, kann kein Verkaufsinteresse geweckt werden. Daher muss die M&A Beratung in der nächsten Phase einen short abstract durch einen Teaser als anonymisiertes Kurzprofil und das Factbook mit allen relevanten Firmenfakten erstellen. Im Rahmen dieser Vorbereitungsphase erfolgt die Ablage aller relevanten Dokumente und Informationen auf hierfür eingerichteten Datenbank- und Archivservern. Im engen Gespräch mit den Vertretern der Firma bzw. den Firmen muss eine objektive Erarbeitung eines Verkaufsprofils erfolgen. Als nächste Phase gedacht, aber parallel zur Vorbereitungsphase praktiziert, erfolgt die Sondierung von potentiellen Käufern durch die M&A Beratung. Ein vorhandenes Netzwerk zu strategischen Investoren, Finanzinvestoren, liquiden Privatpersonen oder dem Management in Bezug auf Buy-Out (MBO) oder Buy-In (MBI) ist notwendig.

In der folgenden Phase findet die Kontaktaufnahme mit möglichen Kaufinteressenten statt. Dieser Vorgang geschieht zunächst ohne Benennung des eigentlichen Unternehmens anhand des Teasers. Erst bei Unterzeichnung einer Vertraulichkeitsverpflichtung kommt es zum Austausch des Factbooks. Besteht weiterhin Kaufinteresse, findet ein Meeting statt, bei dem die interessierte Partei und das aktuelle Management mit der M&A Beratung die Positionen und Vorstellungen klären. Auch der weitere Prozessablauf ist an dieser Stelle vorzubereiten und zu erläutern. Besteht tatsächliches Kaufinteresse wird der Letter of Intent (LOI) als unverbindliches Angebot erstellt. Die M&A-Beratung muss diesen Prozessabschnitt unter Abwägung aller Schwächen und Stärken des Unternehmens zu einem vorteilhaften Angebot für den M&A-Nutzer aktiv begleiten. Die Due Diligence Phase zeichnet sich nun durch einen vollumfänglichen tiefen Einblick in alle notwendigen und insbesondere auch vertraulichen Dokumente und ggf. Produktionsanlagen des Unternehmens aus. Die von der M&A Beratung erstellte digitale Ablage wird damit als Data Room genutzt und sollte Bilanzen, Controlling-Berichte, Gesellschafts- und Kreditverträge sowie finanzielle, rechtliche und steuerliche Dokumente beinhalten.

Im Anschluss wird dem Unternehmen und der M&A-Beratung das Bindung Offer (BO) als verbindliches Angebot vorgelegt. In der folgenden Verhandlungsphase wird der Vergleich von LOI und BO durch die M&A-Beratung erarbeitet. Aufgrund von möglichen Haftungs- und Garantieansprüchen im Rahmen von Schadenersatzklagen muss die M&A-Beratung über entsprechende Kompetenzen oder ein Netzwerk von Anwälten verfügen. Insbesondere die Befähigung in Verhandlungen um den Kaufpreis ist für die M&A-Beratung unabdingbar. Mit der Vertragsunterzeichnung begleitet die M&A-Beratung den Abschluss der Transaktion. In diesem Zusammenhang erfolgt auch die finanzielle Entlohnung in Abhängigkeit des erzielten und vertraglich vereinbarten Ergebnisses.

Die Eigenschaften und Tätigkeiten der M&A Beraterinnen und M&A Berater

Der ständige Kontakt zu Kunden, Interessenten und den Spezialisten des eigenen Netzwerks setzt eine hohe soziale Komponente der M&A Beraterinnen und M&A Berater voraus. Schwerpunkte in der eigenen fachlichen Professionalität sollten Methoden und Vorgehensweisen der Unternehmensberatung beinhalten. Die eigentliche Ausübung der Tätigkeit bzw. Dienstleistung ist fast ausschließlich on-the-job zu erlernen. Einen Beruf dieser Art gibt es jedoch nicht. Die einzelnen Phasen verlangen viel Zeit und Engagement von den M&A Beraterinnen und M&A Beratern. Insbesondere das Feingefühl für alle involvierten Parteien und die dazugehörige fachliche Kompetenz ist nur durch einen längeren Lernprozess zu erreichen. Der Vorteil im Finanzsektor ist die klassische Angestelltenhierarchie der Banken. Jede einzelne Phase verlangt unterschiedliche Spezialisten, die Recherche betreiben, Daten analysieren, Dokumente erstellen und die digitale Infrastruktur für den M&A Prozess pflegen. Die überwiegende Phasenarbeit ist Projektarbeit, die somit in einer Bank sehr gut verteilt werden kann. Trotz dieser scheinbaren Entlastung ist die Tätigkeit extrem herausfordernd, belastend und auch frustrierend, da die vorhergehenden Investitionen sehr umfangreich sind. Es ist nicht selten, dass ein Vorhaben schon in der ersten Phase wieder eingestellt wird, wenn die Parteien nicht zusammenfinden. Dennoch besteht der Reiz in einem großen Team wesentlichen Einfluss auf wirtschaftliche Entwicklungen zu nehmen und dies bei einer durchaus attraktiven Entlohnung. Trotz der Strukturvorgabe durch die geschilderten Phasen hat jedes Projekt seine eigene Dynamik und ist daher immer eine neue Herausforderung.